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Blende, Zeit & ISO – ein geschlossenes System!

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Die drei wohl wichtigsten Einstellungsmöglichkeiten einer Kamera sind die Blendenöffnung („Blende“), Belichtungszeit (Zeit), und die Empfindlichkeit des Sensors (ISO). Diese haben beim Fotografieren einen enormen Einfluss auf das Resultat! Blende, Zeit & ISO stehen in einem direkten Zusammenhang zueinander- sie bilden ein geschlossenes System…

Tipp: Eine vereinfachte und gekürzte Version dies Beitrages ist auf FotoTuning.at erschienen:
Blende und Belichtungszeit einfach erklärt

Vorweggenommen – in digitalen Kompaktkameras steht meistens nur der ISO- Wert als Einstellungsparameter zur Verfügung.
Damit ein Foto entstehen kann, muss sich die Blende öffnen- somit kann das Licht auf den Kamerasensor fallen. Wie weit sich die Blende (im Durchmesser) öffnet und wie lange sie geöffnet bleibt kann vom Kamerabenutzer beeinflusst/ gesteuert werden. Doch welche Auswirkungen haben die Belichtungszeit sowie die jeweilige Blendenöffnung auf das Foto? Und wieso bilden Blende, Zeit & ISO ein geschlossenes System?

Blende:

Blende - Modus Av


Durch die Blende wird vor allem die Tiefenschärfe geregelt!


Unscharfen Hintergrund („Bokeh“) erreicht man vor allem durch eine große Blende (= kleiner Blendenwert bzw. kleine Blendenzahl).


Durchgehende Tiefenschärfe (zB. klassische Landschaftsfotografie) erzielt man durch den Einsatz von kleineren Blenden (=großer Blendenwert bzw. große Blendenzahl)


Im Modus Av (oder A) kann die Blende (der Blendenwert) manuell gewählt werden.


Umso größer die Blende, umso mehr Licht gelangt auf den Kamerasensor: Achtung vor Überbelichtung!

Die Blende sitzt bei DSLR Kameras im Objektiv. Über den Durchmesser der Blendenöffnung kann vor allem die Tiefenschärfe (scharfer/unscharfer Hintergrund) geregelt werden. Eine „kleine Blende“ (also eine Blende, welche nicht weit geöffnet ist) erzeugt eine hohe Tiefenschärfe (Vordergrund und Hintergrund sind am Foto scharf abgebildet) und eignet sich somit zum Beispiel für Landschafts- oder Panoramaaufnahmen. Eine „große Blende“ (Blende ist weit geöffnet) erzeugt eine geringe Tiefenschärfe (Hintergrund ist unscharf) und eignet sich zum Beispiel für klassische Portraits! Ein unscharfer Hintergrund wird unter anderem auch als „Bokeh“ bezeichnet. Die Tiefenschärfe hängt allerdings auch noch von anderen Faktoren (Abstand der Kamera zum Objekt, das verwendete Objektiv, etc.) ab. Wie kann man die Blende nun steuern bzw. wo kann man die Blendenöffnung einstellen? Das geht zum Beispiel im Modus AV (Zeitautomatik). Hier geben Sie den Blendenwert manuell ein und die für eine physiologische Belichtung passende Belichtungszeit berechnet die Kamera dann automatisch. Achtung verwirrend: Ein kleiner Blendenwert bedeutet eine „große Blende“ und umgekehrt. Wollten sie zB.: eine große Blende wählen um ein Portrait mit unscharfen Hintergrund zu fotografieren, wählen sie einen möglichst kleinen Blendenwert (zB. f/2.8).

Der bewusste Einsatz von hoher oder geringer Tiefenschärfe bietet unzählige Möglichkeiten, um sich kreativ auszutoben!

Bei diesem Foto wurde eine sehr große Blende (= kleine Blendenzahl) gewählt. Der Stativkopf hebt sich deutlich vom Hintergrund ab. Die dadurch entstandene Unschärfe im Hintergrund nennt man auch "Bokeh".

Die Blendenöffnung beeinflusst aber auch die Belichtungszeit! Je weiter die Blende geöffnet ist, desto mehr Licht kann in kürzerer Zeit auf den Sensor gelangen. Ist eine Fotoszene sehr hell, ist es oft gar nicht möglich die größte Blende zu wählen, da das Bild ansonsten überbelichtet wäre! Andersrum sind Freihandaufnahmen bei sehr kleinen Blenden oft schwierig, da sich aufgrund des geringeren Lichteinfalles die Belichtungszeit erhöhen muss- dies kann zu Verwackelungsunschärfe führen! Hier wiederum hilft das Hinaufsetzen des ISO- Wertes, welcher die Belichtungszeit dann wieder verringert- mehr dazu allerdings später… Sie sehen also- Blende, Zeit & ISO bilden ein geschlossenes System!

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Auch im M-Modus (Manuell) können Sie selbstverständlich die Blende (sowie die Zeit) einstellen. Hier sollten Sie allerdings genau wissen was Sie tun sofern  Sie ein ansprechendes Ergebnis erhalten wollen! Selbst Profis verzichten oft auf den Einsatz des M-Modus, da es in den meisten Fällen gar keine Indikation dazu gibt! Halbautomatiken wie Av oder Tv sind in der Regel ausreichend!

Zeit:

Zeit: Modus Tv (bzw. T oder S)

Durch die Belichtungs- oder Verschlusszeit können

- Nachtaufnahmen realisiert werden

- Bewegungen dargestellt (längere Belichtungszeit) oder "eingefroren" werden (sehr kurze Belichtungszeit)


Bei einer längeren Belichtungs- oder Verschlusszeit eignet sich der Einsatz eines Stativ*


 Die Belichtungszeit kann über den Modus Tv eingestellt werden (bei manchen Kameras wird dieser Modus auch einfach mit T oder S bezeichnet)

Die Belichtungszeit wird oft auch als Blendenöffnungszeit beziehungsweise Verschlusszeit bezeichnet. Im Modus Tv (manchmal nur T oder auch S) ihrer DSLR Kamera können Sie die Belichtungszeit, also die Zeitspanne, welche die Blende geöffnet bleibt, einstellen. Ist die Blende länger geöffnet (längere Belichtungszeit) fällt wiederum mehr Licht auf den Sensor. Somit eignet sich der Modus Tv vor allem für Nachtaufnahmen. Wenn Sie zum Beispiel die Lichter der Nacht in einer Fotoszene einfangen wollen, ist meist eine längere Belichtungszeit (meist mehrere Sekunden) nötig.

Bei mehreren Sekunden Belichtungszeit geht Freihand natürlich gar nichts mehr! Stellen Sie die Kamera stabil ab. Noch besser ist natürlich ein Stativ zu verwenden! Stative gibt es in allen Größen und Preisklassen. Ein kleines "Tischstativ" zum einstecken in die Jackentasche eignet sich als "Immer-Dabei" Stativ. Ein großes Stativ - am besten mit Kugelkopf eignet sich zum Beispiel sehr gut für Panorama- bzw. Nachtaufnahmen. Auch das Gewicht spielt eine Rolle. Ein schweres Stativ ist stabil und schwankt auch nicht so schnell bei Wind, ein leichteres Stativ ist Aufgrund des Gewichtes praktischer und eignet sich vorallem zum Beispiel gut für längere (Berg-) Touren.
Noch ein Tipp für Nachtaufnahmen bzw. längere Belichtungszeiten: Verwenden Sie den Selbstauslöser der Kamera, um eine Verwackelungsunschärfe durch das Drücken des Auslösers zu vermeiden! Achten Sie auch auf den Wind! Bei längeren Belichtungszeiten wird die kleinste Bewegung der Kamera Ihre Aufnahme ruinieren! Eine Sammlung von Stativen für jeden Zweck finden sie auf Amazon.de.


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Der Modus Tv eignet sich außerdem auch dazu, um Bewegungen darzustellen beziehungsweise einzufrieren! Ein klassisches Beispiel hierfür ist ein fließendes Gewässer. Bei extrem kurzer Belichtungszeit wird das Wasser „eingefroren“ - als ob die Zeit angehalten wird. Bei längerer Belichtungszeit wird das Wasser fließend dargestellt. Hier sollte man sich aber bewusst entscheiden – eine mittlere Belichtungszeit führt meist dazu, dass das Wasser weder fließend noch eingefroren dargestellt wird, sondern einfach ein wenig unscharf abgebildet wird- dies wirkt dann meistens weniger aufregend beziehungsweise unprofessionell.

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Diese Aufnahme wurde im Modus-Tv mit einer Belichtungszeit von 6 Sekunden realisiert. Durch die lange Belichtungszeit werden die fahrenden Autos zu Lichtbahnen. Für Nachtaufnahmen empfiehlt sich der Einsatz eines Stativ*!


Auch hier im Modus Tv beeinflusst das geschlossene System wieder unser Handling mit der Kamera: Wollen Sie zum Beispiel einen Stein im Vordergrund mit leichtem Bokeh (unscharfer Hintergrund) einfangen und den Bach im Hintergrund auch noch fließend darstellen, dann benötigen Sie in der Theorie eine große Blende und eine längere Belichtungszeit. In der Praxis ist dies aber bei hellem Tageslicht kaum durchführbar – da durch die große Blende und die längere Belichtungszeit soviel Licht auf den Kamerasensor fällt, dass das Bild selbst bei ISO 100 stark überbelichtet sein wird! Um eine Fotografie wie im eben genannten Beispiel zu realisieren, müsste man mit mehreren Aufnahmen sowie Bildbearbeitung mit Ebenentechnik arbeiten. Mehr zu dieser Thematik finden Sie im Bereich Bildbearbeitung.

Um die Verschlusszeit manuell einzustellen können Sie natürlich auch hier wiederum den M-Modus (manuell) Ihrer Kamera wählen, aber wie bereits erwähnt, müssen Sie dann auch die Blende (und alle anderen Parameter) manuell einstellen, was in den meisten Fällen einen unnötigen Aufwand darstellt. Meist ist es besser, sich für Av oder Tv zu entscheiden! Oft reicht es auch aus, den P- Modus (Programmautomatik) zu verwenden, in welchem die Kamera Blende und Zeit automatisch einstellt und Sie sich um alle anderen Parameter (ISO, Weißabgleich, Fokus, Farbtemperatur, etc.) kümmern!

ISO

ISO

Der ISO Wert reguliert die Empfindlichkeit des Kamerasensors


Je höher der ISO Wert, desto kürzer wird die Belichtungszeit


Die Erhöhung des ISO-Wert führt zu Bildrauschen


Kompaktkameras (kleiner Kamerasensor) haben ein stärkeres Rauschverhalten als DSLR Kameras


Der ISO-Wert kann meist in jedem Modus (oft mit Ausnahme des Automatik-Modus) manuell eingestellt werden.

Den ISO Wert manuell einstellen, das kann heutzutage eigentlich jede Kamera, egal ob Kompaktkamera, DSLR und auch die meisten Handy-, bzw. Smartphonekameras können den ISO Wert regulieren. Hier gibt es nicht wie bei Blende oder Zeit einen eigenen „ISO-Modus“, vielmehr kann der ISO Wert eigentlich in jedem Modus (oft mit Ausnahme des Automatikmodus) manuell eingestellt werden.

Aber was ist ISO überhaupt? ISO ist ein internationaler Standard in der Fotografie, mit welchem man die Empfindlichkeit des Kamerasensors festlegen kann! Also man regelt über den ISO Wert wie stark der Kamerasensor auf das einfallende Licht reagiert! Durch einen höheren ISO- Wert werden die einzelnen Pixeldioden am Kamerasensor stärker elektronisch unterstützt. Das bedeutet, dass die Zeitspanne in welcher Licht auf den Kamerasensor fallen muss um ein Bild entstehen zu lassen, verkürzt wird. Einfach ausgedrückt - je höher der ISO Wert, desto kürzer wird die benötigte Belichtungszeit! Somit sind wir wieder beim geschlossenen System angelangt! Der gewählte ISO- Wert hat einen direkten Einfluss auf die Belichtungszeit und somit auch auf die möglichen Blenden (Bei hohem ISO Wert ist ein Bokeh aufgrund der höheren Empfindlichkeit des Sensors und dem vielen einfallenden Licht durch die große Blendenöffnung in der Regel schwerer zu realisieren).

Oft macht es durchaus Sinn, den ISO-Wert zu erhöhen! Zum Beispiel wenn Sie kein Stativ zur Hand haben, beziehungsweise keines benutzen dürfen und die Lichtverhältnisse eine längere Belichtungszeit erfordern- hier ist ein unverwackeltes Bild freihand nur durch die Erhöhung des ISO Wertes zu erreichen! Oder um Bewegungen einzufrieren bei ungünstigen Lichtverhältnissen: die Erhöhung des ISO- Wertes sorgt für die Verringerung der Verschlusszeit! Zusammengefasst macht die Erhöhung des ISO-Wertes überall Sinn, wo eine kürzere Verschlusszeit gebraucht wird und wo bei manuellem herabsetzen der Verschlusszeit im Tv Modus das Foto bei ISO 100 unterbelichtet wäre! Also eigentlich eine tolle Sache - dieses ISO-Ding! Aber wie bei so vielen Dingen im Leben gibt’s bei auch dieser Sache einen Hacken!

Durch die ISO-Erhöhung wird auch das Bildrauschen verstärkt. Dies passiert aufgrund der erhöhten elektronischen Verstärkung der einzelnen Pixeldioden! Als Faustregel gilt- je kleiner der Kamerasensor, desto ausgeprägter ist das Rauschverhalten bei höheren ISO Werten! Während eine durchschnittliche DSLR Kamera (APS-C Sensor) bei ISO 800 noch relativ rauscharme Bilder liefert, sind die Bilder einer Kompaktkamera bei ISO-800 meist schon sehr deutlich verrauscht!

Im folgenden Bild sehen Sie einen Obstkorb, den ich drei mal völlig identisch mit Stativ abfotografiert habe! Der einzige Unterschied: Die Iso-Zahl! Während man bei Iso 100 kein Bildrauschen erkennen kann, ist das Bild mit Iso 1.600 bei 100% Ansicht schon deutlich verrauscht. (Aufs Bild klicken für Zoom). Die Aufnahmen wurden mit einer DSLR mit APS-C Sensor gemacht. Bei einer Kompaktkamera würde das Bildrauschen noch wesentlich stärker ausfallen!

 


Bei Nachtaufnahmen, welche sehr lange Belichtungszeiten benötigen, ist es oft ratsam, den ISO Wert ein wenig zu erhöhen! Denn Bildrauschen entsteht nicht nur durch den höheren ISO Wert, sondern auch durch sehr lange Belichtungszeiten, wo sich der Kamerasensor sehr stark erwärmt. Hier ist der richtige Kompromiss zwischen ISO und Belichtungszeit zu finden. Manchmal wird ein hoher ISO Wert auch bewusst eingesetzt. Sichtbares Bildrauschen, wird gerne bei monochromen Bilder (Sepia, Schwarz-Weiß) als Gestaltungsmittel verwendet! Im Grunde gilt aber: Soviel ISO wie nötig und so wenig wie möglich…

Lässt sich ein höherer ISO Wert einmal nicht vermeiden, kann das Bildrauschen nachträglich durch ordendliche Bildbearbeitung reduziert werden! Mehr dazu im Bereich Bildbearbeitung.

Richtig deutlich sichtbar wird Bildrauschen meist erst in der Vollansicht einer Fotografie. Wollen Sie Fotos nur in einer kleinen Ausgabe präsentieren (zB.: Facebook Album), können Sie auch getrost mit einem höheren ISO- Wert fotografieren! Bei Kompaktkameras kann der ISO Wert meist von ISO 100 bis ISO 1600 reguliert werden- mehr macht bei den kleineren Sensoren auch gar keinen Sinn! DSLR Kameras sind hier schon großzügiger – Wählbare ISO Werte bis 6400 und höher sind heute schon Standard- selbst bei den Einsteigermodellen! Einige Modelle lassen auch ISO 50 anstatt ISO 100 am unteren Ende der ISO Skala zu!

Noch ein Tipp am Ende: Aufpassen mit dem Automatik- Modus! Die Kamera geht meist sehr großzügig mit dem ISO-Wert um…

 

 

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